Carlo Pellegrini (1866-1937)

Der Wintersportchronist mit Feder und Pinsel

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Die Hochblüte der Postkartengraphik war mit dem Aufschwung der Photographie in den frühen Dreissigerjahren unabwendbar zur Neige gegangen. Vergessen sind die meisten aus der stattlichen Schar der Illustratoren, die sich des Broterwerbes wegen in ihren Tagen der Postkartenkunst zugewendet hatten.

Ohne Zweifel erfreuten sich Pellegrinis Illustrationen aber schon zu Lebzeiten des Künstlers einer grossen Beliebtheit. Dafür zeugt nicht zuletzt die ehrenvolle Anerkennung, welche Carlo Pellegrini anlässlich der Stockholmer Olympiade 1912 zuteil geworden ist. Neben den Medaillen für die sportlichen Leistungen wurden anlässlich dieser 5. Olympiade, im Gegensatz zu heute, auch solche für künstlerische Verdienste in der Darstellung des Sportes vergeben. Carlo Pellegrinis Wintersport- Triptychon trug den Sieg davon.

Auch Carlo Pellegrini schien lange Jahrzehnte hindurch dieses Schicksal der Vergessenheit zu teilen. Die Wende brach erst an, als beinahe 50 Jahre nach seinem Tode einige wenige findige Sammler nostalgischer Postkarten den ästhetischen Reiz und den dokumentarischen Wert der Darstellungen Pellegrinis wiederentdeckten. Seither hat Pelligrinis Name auch über Sammlerkreise hinaus erneut Bekanntheit erlangt. Und dies mit Recht, hat doch der Künstler allein mit Feder und Pinsel ein wertvolles Stück Wintersportgeschichte geschrieben.

Pellegrini war es jedoch nicht vergönnt, die Gold-Medaille in Stockholm persönlich aus der Hand des schwedischen Königs entgegenzunehmen. Der Genfer, Baron Pierre de Coubertin, Schöpfer des Olympia-Ring-Signets – schrieb dem Daheimgebliebenen: „Der König hat mir anlässlich der Preisverteilung vom vergangenen Montag die Ihnen als dem Sieger des Malerwettstreites verliehene Goldmedaille übergeben. Ich werde Sie Ihnen bei meiner Rückkehr Überbringen, wenn es Ihnen recht ist. Herzlichste Gratulation, Ihr Pierre de Coubertin.“

Das in den offiziellen Olympiade-Protokollen genannte siegreiche Triptychon gilt heute als verschollen. Hiezu gesellt sich der Umstand, dass das Leben des Künstlers insgesamt weitgehend im Dunkeln bleibt.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde Pellegrini im italienischen Albese (Como) geboren. Den grössten Teil seines Lebens verbrachte er in der Schweiz, wo auch die meisten seiner Lithographien geschaffen und gedruckt worden sind. Er verstarb 71 jährig in Genf.

Eine 1987 im Musée Olympique in Lausanne organisierte Ausstellung, die erste ihrer Art, schenkte einen reichhaltigen Einblick in das Wirken Pellegrinis, dessen Kunst sich keineswegs auf die Postkartenillustration beschränkte, sondern auch Malerei, Lithographie und Plakatgraphik umfasste. Neben den über 200 zu einem grossen Teil von einem Zürcher Sammler zur Verfügung gestellten Postkarten zeigte die Ausstellung deshalb auch Werke dieser weiteren Kategorien, u.a. handsignierte Plakate.

Pellegrinis Postkarten dokumentieren präziser als es die zeitgenössischen Photographen vermocht hätten und in unmittelbar zum Herzen sprechender Weise die Mühen und Freuden, aber auch die Exklusivität des Wintersportes in den Anfängen unseres Jahrhunderts.

Keine der damals schon betriebenen Wintersportarten fehlt im Repertoire des Künstlers. Wenn auch Pellegrinis gestalterisches Augenmerk sich vor allem auf die typische Haltung und Gebärde der Figuren oder Figurengruppen richtet, so ist dennoch bei einzelnen Sujets im Hintergrund auch deutlich die Silhouette eines klassischen Wintersportortes zu erkennen (z.B. Eislauf, Davos).

Pellegrinis künstlerisch-graphisches Vermächtnis stammt aus einer Zeit, die dem Gedanken der Schönheit mehr verpflichtet war denn die Unsere, auch in der Ausübung des Sportes. Pellegrinis Darstellungen wiederspiegeln deshalb eine nicht zu verkennende Anmut der Bewegung. Das Streben nach zeichnerischer Genauigkeit umflort von einem sanft ironischen Lächeln tritt uns in seinen Sportfiguren allenthalben entgegen.

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